| 13. Dezember 2023

Nachhaltige Entwicklung: Gestalten statt verwalten

Stefan Künzli, Amt für Umweltschutz und Energie

Themen wie Klimaanpassung, Energie oder abnehmende Biodiversität sind in den Medien, der Politik, in Regierungsprogrammen und in den Köpfen der Bevölkerung sehr präsent und gewinnen weiter an Bedeutung. Es sind spür- und fassbare Themen, denn sie nehmen Einfluss auf unseren Alltag (Hitzesommer) und auf unser Verhalten (Stromsparen). Der Kanton Basel-Landschaf engagiert sich schon seit 20 Jahren für die Themen der nachhaltigen Entwicklung und war schweizweit Poinier auf diesem Gebiet. In der kantonalen Verwaltung soll Nachhaltigkeit die Grundlage bilden für das gesamte Handeln und nicht bloss einer einzigen Anlaufstelle.

Die Konkurrenz der Megatrends
Gerade weil Fakten wie die Klimaerwärmung unmittelbar und überaus konkret sind, haben sie jüngst ein Thema aus unserer geistigen Prioritätenliste verdrängt: Die nachhaltige Entwicklung (NHE). Diese hat mit der ihr eigenen Flughöhe und den doch recht allgemein formulierten Zielvorgaben der Agenda 2030 (1) in Zeiten von Hitzeperioden, Stromsparmassnahmen und sich schnell verbreitenden asiatischen Hornissen einen ungleich schwereren Stand in der aktuell herrschenden Aufmerksamkeitsökonomie.

Wer hat’s erfunden?
Das mag erstaunen, denn die nachhaltige Entwicklung ist bei näherer Betrachtung die eigentliche Keimzelle, ja sogar das Mutterschiff der aktuellen Megatrends. Mit ihrer Forderung, den Ansprüchen der Gegenwart gerecht zu werden, ohne die Ansprüche von zukünftigen Generationen zu beschneiden, hat sie die Zielrichtung aktueller Strategien längst vorgegeben. Sie fokussiert den selben schwarzen Punkt, und das schon seit über 20 Jahren.

So lange engagiert sich der Kanton Basel-Landschaft übrigens schon in der nachhaltigen Entwicklung. Zur Erinnerung: Nachdem der Bundesrat die Nachhaltigkeit im Jahr 1999 erstmals als Ziel seiner Regierungspolitik festgehalten hat und ein Jahr später das erste Departement folgte (UVEK), begannen auch die Arbeiten im Kanton Basel-Landschaft zur Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Gestartet im Jahr 2000 hat der Regierungsrat schliesslich im Mai 2003 seine «Strategie nachhaltige Entwicklung» verabschiedet. Der Kanton Basel-Landschaft war somit ein Pionier in diesem Gebiet. Selbstverständlich hat sich in der Zwischenzeit einiges verändert. So gibt es keine eigenständige Strategie für die NHE mehr, der Regierungsrat richtet nun seine Schwerpunkte direkt nach den Zieldimensionen der NHE aus. Dies geschah im Einklang mit der zentralen Vorgabe, aus der nachhaltigen Entwicklung keine eigenständige Sektoralpolitik zu machen. Will heissen: Anstatt zentrale Anlaufstellen zu betreiben, die das Thema quasi hoheitlich bewirtschaften, soll die nachhaltige Entwicklung Einzug in das Denken und Handeln aller Verwaltungsbereiche finden und so ihre Wirkung «von innen heraus» entfalten.

Vergissmeinnicht: Die Schutzpflanze der nachhaltigen Entwicklung (Quelle: Rheinhard Müller)

Effizient, schlank, Baselland
Dass das Konzept einer integralen statt sektoralen Nachhaltigkeitspolitik durchaus funktioniert, beweisen Entwicklungen, wie sie beispielsweise im Hochbauamt mit dem Anschluss an den Standard nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS beobachtet werden können. Die Etablierung eines regionalen Baustoffkreislaufs, die das Amt für Umweltschutz und Energie vorantreibt, reiht sich hier nahtlos ein.

Zum gleichen Schluss kommt übrigens auch ein jüngst abgeschlossenes Forschungsprojekt der Universität Basel, das der Frage nachgegangen ist, wie die Verwaltung die Gestaltung und Umsetzung einer Politik der Nachhaltigkeit unterstützen kann. Die (stark verkürzte) Antwort lautet: Gestalten statt verwalten (2).

Ihr Beitrag zählt
Konkrete Beiträge zur Gestaltung der Nachhaltigkeitspolitik liefern wir beispielsweise mit der Durchführung von Nachhaltigkeitsbewertungen. Diese prüfen Projekte, Vorhaben oder Strategien in einem frühen Entwicklungsstadium auf ihren Einfluss auf die NHE. Ein unabhängiges Audit-Team bewertet die Auswirkungen auf die Dimensionen der Nachhaltigkeit, Wirtschaft, Gesellschaft und Natur und zeigt Verbesserungspotenziale auf. A propos und wenn Sie auch lieber gestalten statt verwalten: Nutzen Sie die Gelegenheit und unterziehen Sie Ihr Vorhaben einer Nachhaltigkeitsbewertung. Oder werden Sie Teil des Audit-Teams. Es hat noch freie Plätze!

Mehr zum Thema finden Sie auf der Webseite des Kantons Basel-Landschaft: https://www.baselland.ch/politik-und-behorden/direktionen/bau-und-umweltschutzdirektion/umweltschutz-energie/nachhaltige-entwicklung 

(1)  https://www.eda.admin.ch/agenda2030/de/home.html

(2)  https://nachhaltigkeit.philhist.unibas.ch/de/forschung/forschungsprojekte/the-sustainabilization-of-the-state/