| 13. Dezember 2023

«Gutes Bauen 2018–2023»: Das Publikum durfte erstmals mitreden

Judith Kessler, Hochbauamt

Zum siebten Mal haben die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt Anfang November 2023 gemeinsam die Auszeichnung Gutes Bauen verliehen. Dieses Jahr wurden dreiundzwanzig Werke ausgezeichnet. Davon stehen vier im Baselbiet und von diesen wiederum zwei unter der Bauherrschaft des Kantons Basel-Landschaft. Die Fachjury befasste sich bei der Beurteilung unter anderem mit der Frage, was gutes Bauen in Zeiten der Klimaveränderung bedeutet. Zum ersten Mal durfte auch das Publikum ein Werk prämieren.

Regierungsrätin Esther Keller und Regierungsrat Isaac Reber bei der Übergabe der Auszeichnungen (Quelle: HBA)

Am 3. November 2023 fand die Auszeichnung Gutes Bauen zum siebten Mal statt, dieses Jahr im Walzwerk in Münchenstein. Ausgezeichnet wurden dreiundzwanzig herausragende Bauten aus der Region. Vier der prämierten Objekte liegen im Baselbiet: Das Hochbauamt durfte für das sanierte Schulhaus Lärchen in Münchenstein und das Sammlungszentrum Augusta Raurica in Augst eine Auszeichnung entgegennehmen. Ebenfalls ausgezeichnet wurden die Schmitti in Therwil sowie das Swiss Tropical and Public Health Institute in Allschwil. Dieses hat den Publikumspreis erhalten, der zum ersten Mal vergeben worden ist. Eine sechsköpfige Fachjury hat insgesamt 248 Projekte bewertet. Die Preisverleihung im Walzwerk fand vor vollem Haus statt: Rund 300 Planende und Bauherrschaften wohnten dem feierlichen Anlass bei. Die Regierungsvertretungen der beiden Kantone Esther Keller und Isaac Reber überreichten gemeinsam die Auszeichnungen.

«Im Bauen spiegelt sich der Gesellschaftswandel»
In seiner Ansprache betonte Regierungsrat und Vorsteher der Baudirektion, Isaac Reber, wie wichtig hochwertige Baukultur sei: «Im Bauen spiegelt sich die Gesellschaft, wie sie sich verändert, neue Akzente und neue Schwerpunkte setzt.» Und er fuhr fort, dass hochstehende Baukultur die Beziehung zwischen den Objekten, den Räumen und den Menschen fördere. Sie steigere die Zufriedenheit und die Lebensqualität und betone das Bedürfnis nach positiver ästhetischer Wertschätzung. Neben vielen anderen Facetten, die Baukultur ausmachen, sei auch die Ästhetik wichtig: Oder anders gesagt: Gutes Bauen bedeutet auch schönes Bauen. Selbstverständlich verändere sich das ästhetische Empfinden im Laufe der Zeit: «Was heute als schön gilt, wird in 30 Jahren vielleicht als scheusslich bezeichnet. In diesem Fall sind dann natürlich Sie als Architektin oder Architekt dafür verantwortlich», fügte Reber zwinkernd an.

Auszeichnung für das Hochbauamt: Sekundarschule Lärchen, Münchenstein (Quelle: Julian Salinas, Basel )

Kantonsarchitekt Marco Frigerio erklärte in seiner Rede, dass die prämierten Werke exemplarisch für gutes Bauen stehen und dass nicht das Ziel war, das eine Leuchtturmprojekt auszuzeichnen. Es handle sich vielmehr um Positionslichter, die als Orientierungfür die Planenden verstanden werden können.

Bauen in Zeiten des Klimawandels
Die Mitglieder der Jury spiegelten die heutigen Anforderungen an das Bauen und wurden aus unterschiedlichen Fachgebieten gewählt: Zwei Architektinnen, ein öffentlicher Bauherr, ein Ökonom, ein Nachhaltigkeitsexperte und ein Landschaftsarchitekt. Mit einer Ausnahme stammte die Jury nicht aus der Region Basel. Dadurch hat die Jury das Architekturschaffen mit einem unabhängigen Blick von aussen beurteilen können.

Aufgrund der fünfjährigen Beurteilungsspanne von 2018 bis 2023 fallen die Projekte in eine Phase, in der die Bauwelt vor grossen Umbrüchen steht und Lösungen für brennende Probleme finden muss. Gemäss Jurypräsidentin Chrissie Muhr bedeutet gutes Bauen, «auf die Herausforderungen unserer Zeit einzugehen und damit für unsere Zukunft gute Lösungen zu finden, stetig zu testen und zu entwickeln.» Die Jury setzte sich deshalb auch intensiv mit der Frage auseinander, was gutes Bauen in Zeiten des Klimawandels bedeutet. Themen wie Mikroklima, Biodiversität, Suffizienz und Kreislaufwirtschaft wie auch gesellschaftliche und soziale Themen stehen heute  im Vordergrund. Entsprechend anspruchsvoll gestaltete sich für die Jury die Aufgabe, die eingereichten Projekte zu bewerten.

Sammlungszentrum Augusta Raurica (Quelle: Maxime Delvaux, Brüssel)

Öffentlichkeit sensibilisieren
Die «Auszeichnung Gutes Bauen» wird seit 1980 verliehen, zunächst nur vom Kanton Basel-Stadt. Seit 1985 vergeben die beiden Basel den Preis gemeinsam. Dieses Jahr war der Kanton Basel-Landschaft im Lead. «Mit dieser Auszeichnung und den dazugehörenden öffentlichen Ausstellungen bekräftigen die beiden Kantone die Bedeutung der Werke für die Planungs- und Baukultur beider Basel», ist auf der Webseite der «Auszeichnung Gutes Bauen» zu lesen (s. unten).

Der Preis soll aber auch die Bevölkerung für die Themen des Bauens und deren Relevanz für die Gesellschaft sensibilisieren. Aus diesem Grund wurde erstmals die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, eines der Projekte mit einem Publikumspreis zu prämieren. Diese Premiere freute Baudirektor Isaac Reber besonders, «weil es uns ein stetes Anliegen sein muss, die Förderung guter Architektur und der Baukultur im umfassenden Sinn über die Fachkreise hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen». Gross war auch die Freude darüber, dass ein bikantonales Projekt den Preis erhalten hat.

Im Rahmen der «Dialogtage Basel 2023» fand am 17. November 2023 im K-Haus der Kaserne Basel ein Podium zum Thema statt. Der Stream dazu kann mit folgendem QR-Code eingesehen werden.