| 13. Dezember 2023

Fokusthema 2023: die neue Ressource Abfall

«WasteArt» © Andrea Giovanni Käppeli

Die Schweiz verfügt heute über eine gut funktionierende Abfallwirtschaft und die Behandlung von Abfällen hat sich als allgemeiner Standard etabliert. So wird schweizweit rund die Hälfte der Siedlungsabfälle dem Recycling zugeführt und brennbare, nicht verwertbare Abfälle müssen von Gesetzes wegen verbrannt werden. Trotz dieser guten Ausgangslage stehen immer noch grosse Herausforderungen an. Die Abfallwirtschaft muss sich von einer Entsorgungswirtschaft hin zu einer Kreislauf- und Ressourcenwirtschaft entwickeln.

Es gibt unzählige Arten von Abfall (Quelle «WasteArt» © Andrea Giovanni Käppeli)

Von der Entsorgungs- zur Kreislaufwirtschaft
Das stetige Bevölkerungswachstum und der zunehmende Wohlstand haben in den letzten Jahren zu einer Zunahme der Abfallmenge geführt. Etwa die Hälfte der Siedlungsabfälle wird recycelt. Die andere Hälfte wird verwertet oder deponiert. Brennbare Abfälle werden verbrannt und zur Gewinnung von Fernwärme oder Strom genutzt. Übrige Abfälle werden auf Deponien abgelagert. Die Vermeidung von Abfällen ist die wirksamste Massnahme gegen die zunehmenden Abfallmengen. Sie ist aufgrund des Konsumverhaltens jedoch eine grosse Herausforderung. In einer Welt knapper werdender Rohstoffe haben nur Verfahren und Prozesse eine Zukunft, die umfassende Stoffkreisläufe berücksichtigen. Die Abfallwirtschaft muss sich daher von einer Entsorgungs- zu einer Kreislaufwirtschaft entwickeln. Im Umweltbericht beider Basel sind zahlreiche Indikatoren zum Thema Abfall und zu 15 weiteren Umweltthemen aufgeführt.

Abfallmenge pro Person
Im Jahr 2022 verursachte eine Person im Kanton Basel-Stadt im Durchschnitt 254 Kilogramm und im Kanton Basel-Landschaft 293 Kilogramm Siedlungsabfall. Dies beinhaltet Kehricht sowie separat gesammelte Wertstoffe wie Glas, Papier, Aluminium usw. Insgesamt fielen im Kanton Basel-Stadt im Jahr 2022 51'785 Tonnen Siedlungsabfall an. Im Kanton Basel-Landschaft waren es 87'007 Tonnen. In beiden Kantonen hat die Abfallmenge in den letzten Jahren leicht abgenommen. Sie ist aber nach wie vor sehr hoch.

Verschiedene Abfälle wie Papier, Karton, Glas, Aluminium / Weissblech, Metalle, Grüngut oder Textilien werden separat gesammelt. Das Recycling dieser Wertstoffe schont Ressourcen und spart Energie. Die Recyclingquote im Kanton Basel-Stadt liegt derzeit bei 40 Prozent, ist aber rückläufig. Im Landkanton liegt die Recyclingquote bei 52 Prozent und steigt weiter an. Das Potenzial der Separatsammlungen könnte beispielsweise bei Kunststoffen oder Bioabfällen weiter optimiert werden.

Wie viel Abfall wird in der Basler Kehrichtverwertungsanlage verbrannt?
Im Jahr 2022 wurden in der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) aus den beiden Basler Kantonen 142'045 Tonnen Abfälle verbrannt. Davon stammen 51'931 Tonnen aus dem Kanton Basel-Stadt und 90'114 Tonnen aus dem Kanton Basel-Landschaft. Diese Menge hat in den letzten Jahren leicht abgenommen. Die Schadstoffemissionen der KVA konnten dank hoher Entsorgungsstandards und technischer Massnahmen deutlich reduziert werden.

Die Schweiz wird gerne als Recycling-Weltmeisterin betitelt, dennoch kann die Recyclingquote noch verbessert werden (Quelle: AUE BS)

Wo entsteht am meisten Abfall?
Die grössten Abfallmengen entstehen beim Bauen. Den grössten Anteil hat dabei das Aushubmaterial. Betrachtet man die Gesamtmenge der Bauabfälle, so fällt rund 3,5 Mal mehr Aushubmaterial an als mineralische Bauabfälle. Die Bauabfallmenge in der Region Basel war im Jahr 2022 rund viermal grösser als die Siedlungsabfallmenge. Wegen einzelner grosser Rückbauten oder Altlastensanierungen sind die Bauabfallmengen starken Schwankungen unterworfen. So fielen im Jahr 2016 in beiden Kantonen über eine Million Tonnen Bauabfälle an. Im Jahr 2022 waren es 349'659 Tonnen.

Wie viel Abfall landet jährlich auf Deponien?
Im Jahr 2022 wurden in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft 410'990 Tonnen Abfall deponiert. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Bauabfälle, aber auch um Verbrennungsrückstände aus Kehrichtverbrennungsanlagen oder Klärschlammasche aus der Abwasserreinigung. Die Ablagerung von Abfällen auf Deponien ist grundsätzlich zu vermeiden. Sie hat in der Abfallhierarchie letzte Priorität. Deshalb ist es wichtig, den Baustoffkreislauf zu fördern. Gebäude, die heute rückgebaut werden, lassen sich jedoch wegen der verwendeten Baustoffe und der Bauweise teilweise nur schwer verwerten.

Wie kann Abfall vermieden werden?
Abfälle können durch das Schliessen von Stoffkreisläufen und dem Aufbau einer effizienten Kreislaufwirtschaft vermieden werden. Produkte sollten so konzipiert werden, dass sie bei der Herstellung sowie im Gebrauch möglichst wenig Material und Energie benötigen, eine lange Nutzungsdauer aufweisen und leicht repariert, wiederverwendet oder recycelt werden können. Da im Bauwesen derzeit besonders viele Deponieabfälle anfallen, kommt dem Baustoffkreislauf eine besondere Bedeutung zu. Einwegprodukte sollen in sämtlichen Bereichen soweit wie möglich vermieden und durch langlebige und wiederverwendbare Produkte ersetzt werden.

Detailinformationen zu Siedlungsabfällen, Recyclingquoten, Abfallverbrennung, Bau- und Deponieabfällen finden Sie im Umweltbericht beider Basel unter: www.umweltberichtbeiderbasel.bs.ch/themen/abfall