| 13. Dezember 2023

ARA Birs für Engagement beim Klimaschutz ausgezeichnet

Pascal Hubmann

Die Ara Birs wurde anlässlich der Aqua Suisse in Zürich mit der Medaille d’eau ausgezeichnet. Damit wird sie für ihr grosses Engagement beim Klimaschutz, der Bereitstellung erneuerbarer Energien und für die Reduktion von Treibhausgasen belohnt. Der Preis wird alle fünf Jahre vom Verein InfraWatt und dem Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA vergeben. Pascal Hubmann erklärt im folgenden Beitrag, womit die ARA Birs ihre gute Klimabilanz erreicht.

Pascal Hubmann (dritter v.l.), Leiter Amt für Industrielle Betriebe der Bau- und Umweltschutzdirektion BL, nimmt nimmt die Médaille d'eau für die ARA Birs in Birsfelden entgegen (Quelle: AIB)

Die Abwasserreinigungsanlage (ARA) Birs engagiert sich seit Jahren sehr erfolgreich im Bereich der erneuerbaren Energien und der Reduktion von Treibhausgasemissionen. Dafür wurde sie kürzlich vom Verein InfraWatt und dem Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute VSA mit der Médaille d’eau belohnt. Der Preis wird alle fünf Jahre an ARA-Betreiber vergeben, die «in Bezug auf den Energieverbrauch, die Erzeugung erneuerbarer Energien und die Verringerung der Treibhausgasemissionen» führend sind, wie die Jury in ihrer Begründung schreibt.

Emissionen von Treibhausgasen deutlich gesenkt
Seit Jahren beschäftigt sich das Amt für Industrielle Betriebe (AIB) mit der optimierten Prozessregelung. Dazu gehört die Optimierung der biologischen Reinigungsstufe mit einem wettergesteuerten Prozessbetrieb. Damit bereitet sich die ARA auf ein Niederschlagsereignis vor. Mit der heute eingesetzten, ausgeklügelten Regelung konnte sie die Effektivität der Reinigungsleistung und die Energieeffizienz massgeblich steigern. Auch die Stickstoffelimination konnte sie massiv verbessern, was unter anderem zu einer deutlichen Reduktion der Lachgasemissionen führt. Dieses Gas ist dreihundert Mal klimaschädlicher als CO₂ und ist auf einer ARA die grösste Quelle für Treibhausgase. Lachgas entsteht bei der biologischen Umwandlung von Ammoniumstickstoff in elementaren Stickstoff. Die Luft besteht aus rund 80 Prozent Stickstoff und 21 Prozent Sauerstoff.

ARA Birs in Birsfelden (Quelle: AIB)

Was besonders erfreulich ist: Die vom AIB entwickelte Prozessregelung wenden mittlerweile auch andere Schweizer Kläranlagen an.

Das AIB erstellt jedes Jahr eine Klimabilanz. Damit verschafft sich das Amt einen Überblick über den Ausstoss von Treibhausgasen auf der ARA Birs. Das erlaubt, Rückschlüsse auf die Aktivitäten des Betriebs zu ziehen und weitere Massnahmen zu evaluieren. Immer mit dem Ziel, einen möglichst klimaneutralen Betrieb sicherzustellen.

Die Gebläse im Biologiebecken machen den grössten Teil des Stromverbrauchs auf der ARA aus. Diese wurden 2020 durch energieeffiziente Maschinen ausgetauscht. Ausserdem wurden im April 2022 die Rührwerke aus dem Jahr 2004 durch hocheffiziente Rührwerke ersetzt. Damit konnte die ARA eine weitere, signifikante Einsparung beim Stromverbrauch erzielen.

Dank der besseren Durchmischung reinigen die Bakterien das Wasser nun viel effizienter. Die überschüssigen Bakterien aus dem Klärschlamm produzieren zusammen mit eigens dafür angeschafften Co-Substraten im Faulprozess Methan. Dieses nutzt die ARA zur Strom- und Wärmeerzeugung. Den eigenen Wärmebedarf deckt sie mit der Rückgewinnung von Wärme. Auf diese Weise kommt die Anlage ohne den Einsatz von fossilen Brennstoffen aus.

Warme Wohnungen im Lehenmattquartier dank Wärmepumpen der ARA
Zudem entzieht die ARA Birs dem Abwasser mit zwei leistungsstarken Wärmepumpen die Wärme und speist sie ins Netz des Wärmeverbunds Lehenmatt Birs ein. Damit heizt die Abwärme der ARA seit Ende 2022 das Lehenmattquartier in Basel und Teile von Birsfelden sowie den St. Jakob Park und die Sportanlagen St. Jakob. Durch die Wärmenutzung wird das gereinigte Abwasser abgekühlt, was den Fischen im Rhein zugutekommt. Mit einer grossflächigen Photovoltaik-Anlage wird bereits seit 2013 die Sonnenenergie zu Strom umgewandelt. Im Rahmen von zukünftigen Projekten wird die Stromproduktion ausgebaut. Je nach Kostensituation auf dem Strommarkt kann dabei zwischen Eigenverbrauch und kompletter Einspeisung ins Stromnetz umgeschaltet werden.

Die ARA Birs setzt sich laut InfraWatt «mit grossem Engagement dafür ein, dass ihre Infrastruktur vorbildlich ist und lokal zum Klimaschutz und zur Sicherung der Energieversorgung beiträgt.»