Biozide in Hausfassaden – Eine Gefahr für die Gewässer?

Lukas Wegmann, Amt für Umweltschutz und Energie

Fassadenprodukte wie Farben, Holzlasuren und Putze werden häufig mit bioziden Wirkstoffen «Filmschutzmittel» ausgerüstet, um sie gegen den Befall von Algen und Pilzen zu schützen. Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Biozide beim Regen ausgewaschen werden und teilweise in die Gewässer gelangen.

Durch den Einsatz von Fassadenprodukten mit Biozidzusätzen können Fassaden von Gebäuden wirkungsvoll gegen unerwünschte Verfärbungen geschützt werden. Untersuchungen der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (EAWAG) und der Fachhochschule Rapperswil zeigen aber auch, dass Wirkstoffe aus Fassaden durch den Regen ausgewaschen werden und so in relevanten Mengen in Gewässer gelangen können. Um die Wirkungsdauer zu verlängern und die Auswaschung zu reduzieren, werden häufig verkapselte Wirkstoffe eingesetzt, welche weniger schnell ausgewaschen werden. Wichtig zu wissen ist, dass viele Fassadenprodukte wahlweise mit oder ohne Biozide bezogen werden können: Diese werden den Produkten manchmal bereits bei der Herstellung zugegeben, oftmals aber auch erst in den Verkaufsstellen.

Dosieranlage für den Zusatz von Bioziden (Quelle: AUE).

Durchführung und Ziele der Kampagne 
Das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) leitete in den Jahren 2016–2018 eine Kampagne, an der sich 15 kantonale Chemikalienfachstellen sowie mehrere Bundesämter beteiligten. Ein wichtiges Ziel war es herauszufinden, wie die festgestellten Emissionen von Bioziden aus Fassaden in die Gewässer reduziert werden können. Zudem sollte geklärt werden, ob die Produkte den Anforderungen der Chemikaliengesetzgebung entsprachen, ob also beispielsweise die gefährlichen Eigenschaften der Produkte und die enthaltenen Wirkstoffe auf der Etikette korrekt deklariert sind. Insgesamt wurden von den Kantonen 132 Proben von Fassadenprodukten erhoben und ein grosser Teil davon analytisch auf die enthaltenen Wirkstoffe untersucht. 

Resultate der Kampagne 
Die meisten Produkte enthielten mehrere Wirkstoffe. Von den analysierten Wirkstoffen wurden am häufigsten das Fungizid Octylisothiazolinon (OIT), welches Allergien auslösen kann, sowie das besonders gewässertoxische Algizid Terbutryn gefunden. Putze enthielten deutlich tiefere Wirkstoffkonzentrationen als mineralische Fassadenfarben und Farben für Holzfassaden.  

In vielen Fällen war bei den Produkten nicht auf Anhieb erkennbar, dass sie Biozidwirkstoffe enthalten. Auch wiesen die Gefahrenkennzeichnung der Produkte und die Sicherheitsdatenblätter häufig Mängel auf. Bei fast 40 Prozent der Produkte wurde die schädliche Wirkung auf Gewässer, welche auf die Biozidwirkstoffe zurückgeht, nicht oder ungenügend ausgewiesen. Die festgestellten Mängel bei den untersuchten Produkten wurden auf Verlangen der beteiligten Kantone behoben. Da es sich jedoch nur um Stichproben handelte, ist davon auszugehen, dass noch weitere fehlerhafte Produkte auf dem Markt sind.

Bauherren in der Pflicht 
Die Erfahrungen aus der Kampagne zeigen, dass Bauherren, Planer und Maler prüfen sollten, ob bei einem Gebäude wirklich Fassadenprodukte mit Biozidwirkstoffen notwendig sind. So müssen vielleicht nicht sämtliche Fassaden eines Gebäudes mit biozidhaltigen Farben gestrichen werden, sondern allenfalls nur die Wetterseite. Darüber hinaus gibt es biozidfreie Produkte auf dem Markt, welche auf physikalische Weise durch optimalen Wassertransport in der Beschichtung oder durch einen alkalischen pH-Wert ein Algenwachstum verhindern. Sind keine biozidhaltigen Produkte notwendig, müssten die Maler weiter prüfen, ob das gewählte Produkt tatsächlich keine Biozide enthält. Sind die Biozidzusätze hingegen in bestimmten Fällen unvermeidlich, sollten Produkte mit verkapselten Wirkstoffen eingesetzt werden. Auch ein konsequenter Einsatz von Anlagen (Adsorbern) zur Behandlung von Regenwasser biozidhaltiger Fassaden kann die Belastung der Gewässer reduzieren.