WO LIEGT DAS ÖKOLOGISCHE DÄMMOPTIMUM?

Sabine Stöcklin, Amt für Umweltschutz und Energie

WÄRMEDÄMMMATERIALIEN SPAREN ENERGIE, TRAGEN SELBER ABER AUCH EINEN ÖKOLOGISCHEN RUCKSACK MIT SICH: IHRE HERSTELLUNG UND ENTSORGUNG BENÖTIGT ENERGIE UND BELASTET DIE UMWELT MIT UNERWÜNSCHTEN STOFFEN. WIEVIEL SOLL IDEALERWEISE GEDÄMMT WERDEN? SCHIESSEN UNSERE WÄRMEDÄMMVORSCHRIFTEN GAR ÜBERS ZIEL HINAUS? WELCHEN EINFLUSS HABEN HEIZUNGSVARIANTEN AUF DIE IDEALE DÄMMDICKE? DER ENERGIEAPÉRO BEIDER BASEL, ZU DEM REGELMÄSSIG ENERGIE- UND BAUFACHLEUTE EINGELADEN WERDEN, WIDMETE SICH AM ZWEITEN ANLASS DES JAHRES 2016 UNTER ANDEREM DIESER REIZVOLLEN FRAGE.

Im Auftrag des Bundesamtes für Energie ermittelte ein Team der Hochschule Luzern unter der Leitung von Prof. Heinrich Manz die ökologisch und ökonomisch optimierten Dämmdicken bei Wohngebäuden. Daniela Hochradl stellte die Arbeit am zweiten Energieapéro 2016 beider Basel den regionalen Fachleuten der Bauwirtschaft vor.

Welcher Wärmeschutz bei welcher Art von Beheizung erzielt optimale Ergebnisse? Mithilfe der Methode der ökologischen Knappheit wurden die Umweltbelastungspunkte von Referenzgebäuden ermittelt. Die Methode betrachtet sowohl den ökologischen Aufwand der Herstellung und Entsorgung von Wärmedämmungen und Heizungsanlagen als auch den Heizwärmebedarf im Betrieb.

Beispielsweise wurde für ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohneinheiten in Zürich, Innentemperatur 20°C, Dämmung mit EPS, Lebensdauer der Wärmedämmung 40 Jahre, Erdsonden-Wärmepumpe (Jahresarbeitszahl = 3,9 (Effizienz der Wärmepumpe)) und dem heutigen CH-Verbrauchermix für Strom eine optimale Dämmdicke bezüglich Umweltbelastungspunkten von 0,26 m (U=0,11 W/m2K) bestimmt. U=Wärmedurchgangswiderstand, je kleiner der Wert, umso besser die gedämmte Wand. Wird das Gebäude mit einem Heizölkessel betrieben, so liegt das Optimum bei 0,32 m (U= 0,09 W/m2K).

(Quelle: AUE)

Die gefundenen optimalen Dämmdicken der Referenzgebäude variieren je nach Aussenklima, Innentemperatur, Grösse des Gebäudes, Umweltfreundlichkeit der Wärmedämmung und beim Einsatz einer Wärmepumpe je nach Jahresarbeitszahl (JAZ) und Stromqualität. Als Faustregel halten die Autoren fest, dass die ersten knapp 20 Zentimeter der Wärmedämmung meist sehr wichtig sind, um den ökologischen Aufwand wesentlich zu reduzieren.

Die in der Studie berechneten ökonomischen Optima liegen bei tieferen Dämmdicken. Die Kostenkurve verläuft jedoch nach dem ökonomischen Optimum relativ flach, sodass Dämmdicken bis etwa zu einem U-Wert von 0,15 W/m2K nur geringe Mehrkosten verursachen. Diese zusätzliche Dämmung trägt zu einer erheblichen Reduktion der Umweltbelastung bei und verbessert den Wohnkomfort, sodass sich die Investition gesamtheitlich betrachtet lohnt.

Vergleicht man die in der Studie gefundenen ökologisch optimalen Dämmdicken mit den geltenden Normen so zeigt sich, dass die ökologisch optimalen Dämmdicken in etwa dem Zielwert der SIA-Norm 380/1:2009 für Neubauten und der Anforderung vom Minergie-P-Standard entsprechen. Viel „Luft“ besteht noch zwischen dem ökologischen Optimum und den in den Kantonen heute geltenden Vorschriften.

Nächster Energieapéro beider Basel:
23. November 2016: Die MuKEn ist gelandetwww.energieapero.ch