ABWASSERSTRATEGIE: WENIGER ANLAGEN FÜR MEHR SICHERHEIT

Pascal Hubmann, Amt für Indusstrielle Betriebe

DAS AMT FÜR INDUSTRIELLE BETRIEBE (AIB) REINIGT IM KANTON BASELLAND DAS ABWASSER VON RUND 290‘000 EINWOHNERN, WAS TOTAL 450‘000 SOGENANNTEN EINWOHNERWERTEN ENTSPRICHT. DAZU STEHEN AKTUELL NEBEN SECHS REGIONALEN ABWASSERREINIGUNGSANLAGEN (ARA) NOCH 22 LOKALE ARA ZUR VERFÜGUNG. DAS AIB HINTERFRAGT SCHON SEIT LÄNGERER ZEIT DIE GROSSE ANZAHL ARA IM ALLGEMEINEN UND DER KLEINEN ANLAGEN (250 – 2000 EW) IM SPEZIELLEN. DAS ZIEL DES AIB IST ES, DIE ANLAGEN ZU REDUZIEREN.

Fakt ist, dass die Abwasserreinigung in einer grösseren ARA effizienter und deutlich wirtschaftlicher ist als in einer kleinen Anlage. So sind beispielsweise die spezifischen Kosten pro Einwohner der ARA Liedertswil mit 250 Einwohnerwerten 8-10 Mal höher als die der ARA Birs mit 150‘000 Einwohnern. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Betriebssicherheit mit zunehmender Anlagengrösse steigt. Eine grosse Anlage ist gegenüber Fehleinleitungen, beispielsweise durch toxische Substanzen, viel robuster. Im Weiteren stehen heute auch günstigere Methoden für das Verlegen von Kanalisationen zur Verfügung. Diese Faktoren werden dazu führen, dass ein grosser Teil der derzeit 28 ARA aufgehoben wird.

Die ARA Frenke 3 in Bubendorf wird voraussichtlich aufgehoben (Quelle: Martin Rohner)

Durch die Konzentration der Anlagen sollen die Jahreskosten im langfristigen Trend trotz verschärfter Gesetzgebung und damit steigendem Aufwand (Stand der Technik, Reduktion von Mikroverunreinigungen, Mischwasserbehandlung) stabil bleiben. Bereits in den letzten 15 Jahren hat sich die Anzahl Anlagen von 36 auf 28 reduziert. In Zukunft wird das AIB diesen Weg auch aufgrund der neu aufgelegten Wasserstrategie des Kantons, welche „das Wasser als eigene, wichtigste natürliche Lebensgrundlage schützt“, noch konsequenter verfolgen. Beim Aufheben einer lokalen ARA kann auch eine Art Dominoeffekt entstehen. Wird eine ARA eliminiert, braucht es für die Ableitung des Abwassers eine zusätzliche Kanalisationsleitung zum nächsten Hauptsammelkanal oder zur nächsten regionalen ARA. Diese neue Leitung kommt eventuell sehr nahe bei der Nachbar-ARA zu liegen, was deren Ableitung wiederum begünstigt. So wird Schritt für Schritt das ARA-Netz ausgedünnt. Das aktuell grösste Projekt auf diesem Kurs ist die Aufhebung der ARA Frenke 3 in Bubendorf und die Ableitung auf die zu erweiternde und zu sanierende ARA Ergolz 2 in Füllinsdorf.

Aufgrund dieser Herangehensweise haben sich beim AIB zwei Klassen von ARA gebildet. Zu der einen Klasse gehören die Anlagen, welche mit Sicherheit bestehen bleiben, und zur anderen gehören die, die im Sinne der ganzheitlichen Optimierung des Abwassersystems eine unsichere Zukunft haben. Auch wenn einige ARA nur noch wenige Jahre betrieben werden, müssen sie trotzdem zuverlässig saniert werden. Zu heikel ist unser Wassersystem bestehend aus Oberflächengewässern und Grundwasser. Geringe technische Probleme können direkt zu dramatischen Situationen führen. Wie beispielsweise zu zwei Fischsterben bei gleichzeitiger starker Gefährdung des Trinkwassers im vergangenen Jahr. Im Januar 2015 geschah das unterhalb der ARA Frenke 2 in Niederdorf infolge einer Einleitung eines toxischen Stoffes aus der Industrie. Im August letzten Jahres war es ein fast zweistündiger Stromausfall im Diegtertal, welcher die Anlage in Zunzgen ausser Gefecht setzte. Diese beiden Vorkommnisse bestärken die Mitarbeitenden des AIB in ihrer Auffassung, dass es sich lohnt, alles für eine intakte und zuverlässige Abwasserinfrastruktur zu tun. So wird auch in Zukunft alles daran gesetzt, mit gut ausgebildeten und motivierten Leuten, technisch ausgereiften Systemen und einer vorausschauenden Planung das Abwasser effizient und sicher zu behandeln.


FOLGENDE MASSNAHMEN SIND IN PLANUNG:

  • ARA Ergolz 1, Sissach: Werterhaltende Massnahmen (Schaltanlagen, Schlammbehandlung, Belüftung) sowie Erweiterung mit einer Stufe zur Reduktion von Mikroverunreinigungen


  • ARA Birsig, Therwil: Kapazitätserhöhung der biologischen Stufe, diverse werterhaltende Massnahmen (Schaltanlagen, Maschinentechnik), energetische Effizienzsteigerung sowie Erweiterung mit einer Stufe zur Reduktion von Mikroverunreinigungen


  • ARA Birs, Birsfelden: Erweiterung mit einer Stufe zur Reduktion von Mikroverunreinigungen


  • Neubau von 18 Mischwasserbecken in verschiedenen Einzugsgebieten in Planung (Umsetzung Genereller Entwässerungsplan und ARA-GEP)


  • Aufhebung von diversen lokalen Kläranlagen und Ableitung des Abwassers auf regionale ARA; in Planung (erste Landratsvorlage ARA Rünenberg Süd, ARA Rünenberg Nord, ARA Kilchberg/Zeglingen und ARA Nusshof)


  • ARA Basel, ProRheno AG: Erweiterung der kommunalen Kläranlage (Partnerschaftliches Geschäft), in Planung


  • ARA Rhein: Sanierung und Erweiterung, in Planung


  • ARA Frenke, Bubendorf: Neubau ARA Frenke, sistiert


  • ARA Ergolz 2, Füllinsdorf: Kapazitätserhöhung der biologischen Stufen, zusätzliche Erweiterung zur Mitbehandlung des Abwassers aus dem Einzugsgebiet der ARA Frenke, diverse werterhaltende Massnahmen sowie Erweiterung mit einer Stufe zur Reduktion von Mikroverunreinigungen