Amt für Raumplanung | 13. August 2021

Tramnetz 2030: Zuverlässiger, stabiler und flexibler

Daniel Schoop, Amt für Raumplanung

Die Tramnetze von BLT und BVB bilden ein regionales Gesamtsystem, dessen Leistungsfähigkeit ausser Frage steht. Doch die dynamische Wirtschaftsentwicklung der vergangenen Jahre und damit einhergehend die steigenden Bevölkerungszahlen bringen das System an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Damit die wachsende Region ihre Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit behalten und ausbauen kann, braucht sie ein Tramnetz, das sich mit ihr weiterentwickelt.

Die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt haben deshalb zusammen mit BLT und BVB ein Liniennetz erarbeitet, das die absehbare Siedlungsentwicklung in der Agglomeration Basel antizipiert und in konkrete Massnahmen umsetzt: das Tramnetz 2030. Wie das gehen soll, haben der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektor Isaac Reber, die Basler Bau- und Verkehrsdirektorin Esther Keller, die Betreibergesellschaften BLT und BVB an einer per Livestreaming durchgeführten Medienkonferenz im Mai 2021 erläutert.

Livestreaming der Medienkonferenz vom 12. Mai 2021 (Quelle: ARP)

Entflechten, flexibilisieren, beschleunigen
Aufgrund der zahlreichen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Tramlinien muss bei der Weiterentwicklung des Tramnetzes immer das gesamte System berücksichtigt werden.

Ein wichtiges Ziel des Tramnetzes 2030 ist die Entlastung der Innenstadt. Heute fahren bis zu sieben Linien zwischen der Schifflände und dem Barfüsserplatz. Dieser Flaschenhals macht das Tramnetz bei Störungen im Zentrum anfällig, auch aufgrund fehlender Ausweichmöglichkeiten. Neu sollen deshalb ab 2030 nur noch fünf Linien über die zentrale Achse verkehren. Die drei Kernelemente hierfür sind die neuen Tramstrecken im Claragraben und am Petersgraben sowie die Margarethenverbindung.

Tram Claragraben
Eine neue Tramstrecke durch den Claragraben ermöglicht einerseits eine direkte Verbindung vom Klybeck zum Bahnhof SBB und bietet andererseits eine Ausweichmöglichkeit bei Störungen auf der Innenstadt-Achse.

Tram Petersgraben
Die neue Tramstrecke am Petersgraben dient ebenfalls der Entlastung der Innenstadt und schliesst zugleich die Gebiete um die Universität und das Unispital besser ans Tramnetz an.

Expresstram Leimental mit Margarethenverbindung
Durch die Einführung eines neuen ÖV-Angebots auf S-Bahn-Niveau und der neuen Tramstrecke Margarethenverbindung wird das Leimental direkt mit dem Bahnhof SBB und dem Arbeitsplatzgebiet rund um die Roche und den Badischen Bahnhof angebunden. Durch die veränderte Linienführung wird zusätzlich der Marktplatz entlastet.

Erschliessen
Mit dem Tramnetz 2030 sollen ausserdem im Kanton Basel-Landschaft folgende Entwicklungsschwerpunkte neu hochwertig erschlossen werden:

Tram Salina Raurica (Pratteln, Bahnhofstrasse – Augst)
Salina Raurica ist ein wichtiges Entwicklungsgebiet des Kantons Basel-Landschaft. Die Tramverlängerung war das zentrale Element des öffentlichen Verkehrs, welches massgeblich zu einer umweltverträglichen Mobilitätsentwicklung hätte beitragen sollen. Ohne Tram gewinnen nun die S-Bahn, das ab Ende 2022 ausgebaute Busangebot und der Velo- und Fussverkehr an Bedeutung.

Tram Letten, (Basel, Neuweilerstrasse – Allschwil, Gartenhof)
Die Gemeinde Allschwil plant im Raum Binningerstrasse ein Gewerbe-, Einkaufs- und Dienstleistungszentrum mit Wohnanteil. Ein wichtiger Baustein für die Erreichbarkeit dieses neuen Entwicklungsgebiets ist die Verlängerung der Tramlinie 8 bis zum Schulhaus Gartenhof. Gemeinde und Kanton arbeiten Hand in Hand und stimmen damit Entwicklung und hochwertige Erschliessung aufeinander ab. Das Tram macht die Weiterentwicklung des Raums Binningerstrasse erst möglich und verbindet den Süden Allschwils direkt mit dem Bahnhof Basel SBB.

Geplante Infrastrukturelemente gemäss Konzept Tramnetz 2030 (Quelle: ARP)

Evolutionäre Weiterentwicklung
Bei der Entwicklung des Tramnetz 2030 wurden die Stärken des heutigen Systems bewahrt und Veränderungen und Erweiterungen nur dort geplant, wo mit wenigen Anpassungen ein grosser Effizienzgewinn realisiert werden kann. Die geplanten Netzergänzungen sind in den kommenden zehn Jahren umsetzbar und wurden – soweit ihnen nicht bereits in früheren Programmen Bundesmittel zugesprochen wurden – am 11. Juni 2021 mit dem Agglomerationsprogramm beim Bund zur Mitfinanzierung eingereicht.

Damit ist die Tramnetzentwicklung nicht abgeschlossen. Im Kanton Basel-Landschaft sind Angebots- und Infrastrukturkonzepte in Planung um die Entwicklungsschwerpunkte Hagnau und Polyfeld (Muttenz), Bachgraben (Allschwil) sowie Kägen (Reinach) besser zu erschliessen. Deren Inbetriebnahme ist bis 2030 jedoch nicht realistisch. Im Rahmen der Liniennetzplanung wurden diese Projekte jedoch mitbetrachtet und das Liniennetz so ausgestaltet, dass sich diese Elemente gut darin integrieren lassen.

Die Infrastrukturmassnahmen werden derzeit projektiert und anschliessend in einzelnen Landratsvorlagen zur Finanzierung unterbreitet. So wird das Tram auch künftig als komfortables und flächeneffizientes Verkehrsmittel zur Lebensqualität in der Region Basel beitragen.

Weitere Informationen: www.tramnetz2030.ch