Tiefbauamt | 13. August 2021

Projekteinblick in die Fernüberwachung der Lichtsignalanlagen

Interview mit Alexander Binggeli, Tiefbauamt

Im Jahr 2018 wurde das Projekt Fernüberwachung der Lichtsignalanlagen (LSA) im Tiefbauamt gestartet. Aktuell werden die LSA im Kanton Basel-Landschaft Schritt für Schritt auf eine Fernüberwachung umgerüstet. Damit können die Anlagen vom Computer aus unterhalten und Störungen bestenfalls aus der Ferne behoben werden. Im Interview erklärt Alexander Binggeli, Leiter Fachbereich Signalisation des kantonalen Tiefbauamts, was es mit diesem Projekt auf sich hat.

Alexander Binggeli, Leiter Signalisation, Tiefbauamt (Quelle: TBA)

Worum geht es im Projekt Fernüberwachung der Lichtsignalanlagen?
Biggeli: Der Fachbereich Signalisation betreibt auf das ganze Kantonsgebiet verteilt 114 Lichtsignalanlagen (LSA), «67 Lichtsignalanlagen und 47 Fussgängeranlagen». Die LSA haben im Durchschnitt eine Lebensdauer von 15 bis 20 Jahre. Um die Betriebssicherheit über diesen Zeitraum hinweg zu gewährleisten, müssen die LSA regelmässig gewartet und unterhalten werden. Die Fahrtwege für die Wartungs- und Unterhaltsarbeiten sind im Kanton Basel-Landschaft relativ weit. Störungsbedingte Wartungseinsätze beanspruchen somit eine gewisse Anfahrtszeit.

Bei Störungen war bis anhin eine Analyse der Fehlerursache nur vor Ort möglich, was jeweils zeit- und ressourcenintensiv ist. Die LSA sind dann längere Zeit ausser Betrieb und können nur vor Ort wieder gestartet werden. Zudem fehlt eine zentrale Datensammlung (Archiv) aller LSA. Diese Datensammlung könnte als Basis für weitere Auswertungen (z.B. Störungen) oder im Sinne einer zukünftigen Verkehrsflussregelung dienen. Um all diese Prozesse zu optimieren und zu zentralisieren, wurde dieses Projekt gestartet.

Welchen Hauptnutzen verspricht sich der Fachbereich Signalisation davon?

Die Daten der Lichtsignalanlagen werden zukünftig zentral gespeichert und stehen dem Tiefbauamt sowie weiteren Fachplanern jederzeit zur Verfügung. Für Optimierungen oder Ergänzungen an den LSA müssen die Verkehrsdaten erhoben und analysiert werden. Diese Verkehrsdaten können direkt aus dem zentralen Speicher generiert werden. Dies ermöglicht es, die aufwändige Datenerhebung vor Ort stark zu reduzieren. Zudem können einige Störungs- und Fehleranalysen vom Computer aus durchgeführt sowie Störungen zurückgesetzt oder bestenfalls behoben werden. Ein externer Neustart der Anlage ist nach einer Fernanalyse ebenso möglich. Durch die technologischen Weiterentwicklungen gibt es neue Möglichkeiten (z.B. Verkehrsmessungen, proaktive Verkehrslenkung, Bevorzugung von Blaulichtorganisationen).

Was sind die Herausforderungen des Projekts?
Das erste Konzept für die Fernüberwachung wurde im Jahr 2012 ausgearbeitet und wurde aus Ressourcengründen nicht weiterverfolgt. Im Jahr 2018 wurde das Projekt mit der Zentralen Informatik neu aufgerollt und aufgearbeitet. Es musste geklärt werden, wie die LSA an den Verkehrsrechner angebunden werden können. Durch diverse Infrastrukturprojekte des Tiefbauamts und der Baselland Transport AG konnte eine Rohranlage für eine Glasfaserverkabelung aufgebaut werden. Mit der heutigen Rohranlage können bereits 80 LSA über die Glasfaserverkabelung und die restlichen LSA über eine Mobilfunkverbindung an den Verkehrsrechnern angebunden werden.

Die LSA haben durch ihre Lebensdauer von bis zu 20 Jahren unterschiedliche Hardware und Softwarestände. Diese Unterschiede gilt es umzurüsten, damit alle auf demselben Stand der Technik sind. Ausserdem müssen die verschiedenen Schnittstellen der unterschiedlichen Lieferanten vereinheitlich werden. Dieser Schnittstellenkonverter wird gerade durch den Lieferanten der Fernüberwachung der Firma Siemens Mobility AG ausgetestet.

Um die Kommunikation zwischen den LSA und der Fernüberwachung sicherzustellen, müssen neue Netzwerkkomponenten verbaut werden. Die Platzverhältnisse und klimatischen Bedingungen in den Steuergeräten der LSA sind wegen der zu verbauenden Elektronik eine Herausforderung. Die Netzwerkkomponenten müssen so ausgelegt sein, dass sie bei einer Umgebungstemperatur von -20°C bis 60°C einwandfrei funktionieren.

Testanlage für die Fernüberwachung (Quelle: TBA)

Welcher zeitliche Rahmen ist für alle diese Massnahmen vorgesehen?
Die öffentliche Beschaffung der Fernüberwachung konnte im Herbst 2019 mit der Vergabe an die Firma Siemens Mobility AG abgeschlossen werden. Die Detailausarbeitung hat anschliessend gestartet und im Sommer 2020 wurde mit der Realisierung der Fernüberwachungsrechner begonnen. Mit der erfolgreichen Werksprüfung im Februar 2021 wurde der Fernüberwachungsrechner zur Auslieferung freigeben. Die letzte Prüfung für die Freigabe fand im Juli 2021 statt. Aktuell läuft eine dreimonatige Pilotphase mit drei definierten LSA (Binningen, Münchenstein, Liestal). Nach der Pilotphase werden die restlichen LSA Schritt für Schritt umgerüstet und auf den Fernüberwachungsrechner aufgeschaltet. Die ganze Integration der 114 LSA sollte im Herbst 2023 abgeschlossen sein.

Was ändert sich für die Mitarbeitenden?
Die Daten können nun zentral abgespeichert werden und stehen allen Mitarbeitenden zur Verfügung. Bis jetzt waren die Daten auf dem Notebook gespeichert und mussten in der Werkstatt auf das Netzwerk übertragen werden. Dieser Übertrag entfällt nun und die Daten sind immer aktuell. Die Störungsmeldungen können jetzt priorisiert und von überall bearbeitet werden. Dies erleichtert uns die Arbeit im Piketteinsatz erheblich. Hinweise über Mängel durch Drittpersonen können direkt analysiert und allenfalls gar per Telefon gelöst werden. Dies war bis heute nicht möglich. Es gibt jetzt auch zusätzlich Hilfsmittel, die uns bis anhin nicht zur Verfügung standen wie spezielle Auswertungen von Verkehrsdaten.

Was ändert sich für den ÖV, den Fussgänger oder den Automobilisten?
Grundsätzlich sollte sich für die Strassennutzer nichts spürbares ändern, ausser dass es zu weniger Betriebsunterbrüchen von LSA kommt. Kleine verkehrstechnische Optimierung können schneller vorgenommen werden, was indirekt eine Verbesserung auf den Verkehrsfluss haben kann.