Der Lössboden ist Boden des Jahres 2021

Daniel Schmutz und Dominic Utinger, Amt für Umweltschutz und Energie

Die Bodenkundliche Gesellschaft der Schweiz (BGS) kürt alljährlich den Boden des Jahres. Die diesjährige Auszeichnung geht an den Lössboden. Für die Dokumentation wurde ein Baselbieter Lössboden aus Binningen ausgesucht. Im Baselbiet findet sich eine ausserordentliche Vielfalt an Böden. Die Spannbreite reicht von sehr flachgründigen Böden in den steilen Jurahängen bis hin zu mehreren Metern mächtige Böden im Leimental. Der Boden übernimmt wichtige Aufgaben: Er filtriert und speichert Wasser, bietet den Pflanzen Halt und Nährstoffe, gestaltet die Landschaft und ist Grundlage für unsere Ernährung. Dementsprechend muss zu diesem Umweltgut Sorge getragen werden.

Boden des Jahres 2021
Der Name Löss stammt wohl aus dem alemannischen und bedeutet lose oder locker. Löss fühlt sich im trockenen Zustand wie Mehl an. Er besteht aus Schluff, Carbonaten, Tonmineralien und sehr feinem Sand (Quarz). Der Löss wurde nach den letzten Eiszeiten aus vegetationsarmen Gebieten mit dem Wind verfrachtet und hat sich als lockeres Sediment abgelagert. In der Schweiz befinden sich Lössböden vor allem im Raum Basel, Schaffhausen und bei Baden. Die mächtigsten Lössböden im Kanton Basel-Landschaft befinden sich im Leimental, im Laufener Becken sowie weniger mächtig bei Giebenach und Wenslingen. Lössböden sind sehr fruchtbar und deshalb wertvoll für die Landwirtschaft. Dementsprechend werden insbesondere in diesen Gebieten intensiv Gemüse- und Ackerbau betrieben. Daneben wurde und wird Löss auch für die Backstein- und Ziegelherstellung genutzt. Lössböden sind aufgrund günstiger Porenverteilung gute Wasserspeicher und weisen eine ausreichende Belüftung auf. Zudem zeichnen sich Lössböden durch das vollständige Fehlen von Steinen aus (skeletfrei). Solche Böden sind sehr leicht zu bearbeiten. Allerdings sind Lössböden anfällig für Erosion.

Boden des Jahres 2021 – Lössboden beim Paradieshof in Binningen (Quelle: G. Brändle, U. Zimmermann, U. Grob, R. Berger; 2021)

Boden als Lebensgrundlage
Der Boden stellt die äussere Verwitterungsschicht der Erdrinde dar und kann als belebte Haut der Erde betrachtet werden. Je nach Lage ist der Boden wenige Dezimeter bis etwa zwei Meter mächtig. Boden ist durchwurzelt und von gut sichtbaren bis mikroskopisch kleinen Hohlräumen durchzogen. Diese dienen den Bodenlebewesen als Lebensraum und sind für den Luft- und Wasserhaushalt wichtig. Boden ist unabdingbar für das Leben auf der Erde. Er ist Lebensraum und Lebensgrundlage zugleich. Ausserhalb der Gewässer hängt alles Leben vom Boden ab. Boden lässt sich nicht vermehren und nicht künstlich herstellen. Wird Boden überbaut, mit Schadstoffen belastet oder durch Erosion abgetragen, ist er endgültig verloren.

Boden ist nicht gleich Boden
Die Bodenvielfalt bleibt leider häufig unbemerkt und wird erst durch ein «Eintauchen» in den Boden sichtbar. Zu diesem Zweck werden sogenannte Bodenprofile geöffnet. Durch bodenkundliche Fachpersonen werden die Horizontmächtigkeiten (Bodenschichten) bestimmt und die Tiefgründigkeit der Böden aufgenommen. Selbstverständlich werden dabei auch die Korngrössenverhältnisse (Anteile Ton, Schluff, Sand und Steine), der pH-Wert des Bodens, der Humusanteil und weitere Parameter bestimmt und dokumentiert. Die Bodeneigenschaften sind massgebend für die Bodennutzung.

In unserer abwechslungsreichen Landschaft ist die Bodenvielfalt kleinräumig strukturiert. Deshalb wurden alle Landwirtschaftsböden (teilweise auch Waldböden) des Kantons Basel-Landschaft in der Vergangenheit kartiert und es wurden Bodenkarten im Massstab 1:5'000 erarbeitet. Flächendeckendes Kartenmaterial zur Bodenvielfalt haben bis anhin nur wenige Kantone in der Schweiz. Darin abgebildet finden sich die Nutzungseignungsklassen (Anbaumöglichkeiten für die Landwirtschaft), die Mächtigkeit des jeweiligen Bodens, die Zusammensetzung, die Verdichtungsempfindlichkeit sowie weitere bodenkundliche Kenndaten. Diese Informationen dienen Landwirten und Ingenieurbüros als Beurteilungsgrundlage für die Bewirtschaftung und bei Bauvorhaben. Die Bodenkarte ist im Geoportal des Kantons unter «Boden» einsehbar. Bei Gesamtmeliorationen werden im Vorfeld ebenfalls alle betroffenen Böden kartiert. Dabei wird die Bodengüte bestimmt, sodass durch den Abtausch von Parzellen bessere Arrondierungen gemacht werden können. Das Wissen über die Bodengüte ermöglicht damit, dass beim Abtausch Flächen mit gleicher Bodenqualität verteilt werden.

Unsere Böden sind einige tausend Jahre alt und können aus bodenkundlicher Sicht als jung bezeichnet werden. Sie entstanden erst nach dem Ende der Eiszeiten. Anfänglich wurden die nach dem Gletscherrückzug freigelegten Gesteine durch chemische und physikalische Verwitterungsprozesse in kleinere Teile zerlegt. Die so geschaffenen Lebensräume wurden durch Flechten und Moose besiedelt. Es folgten erste Pionierpflanzen und durch abgestorbene Pflanzenreste bildete sich nach und nach Humus und Boden. Dabei entstanden durch verschiedene Einflüsse, wie dem Ausgangsgestein, Wind- und Wassererosion, Relief und menschliche Tätigkeiten, sehr unterschiedliche Bodentypen.

Profilaufnahme eines Waldbodens in Allschwil (2015) (Quelle: AUE)