Lufthygieneamt beider Basel | 17. August 2020

Statusbericht Klima: Handlungsfelder im Kanton Basel-Landschaft

Cosimo Todaro, Lufhygieneamt beider Basel

Die Auswirkungen des Klimawandels werden auch im Kanton Basel-Landschaft immer deutlicher. Der Kanton hat den «Statusbericht Klima, Handlungsfelder im Kanton Basel-Landschaft» beschlossen. Der Bericht enthält Massnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Der Kanton verfolgt beim Klimawandel eine Doppelstrategie. So setzt er sich dafür ein, den Ausstoss von Treibhausgasen zu vermindern. Im kantonalen Energiegesetz sind Ziele verankert, welche zu einer Reduktion der CO2-Emissionen führen.

Der Klimawandel zeigt aber schon heute negative Auswirkungen, die weiter zunehmen werden. Mit Massnahmen zur Anpassung können die damit zusammenhängenden Risiken vermindert werden.

Klimawandel - Globale Erscheinung mit lokalen Ursachen und Auswirkungen
Der Klimawandel ist im Kanton Basel-Landschaft schon heute spür- und messbar: Die Durchschnittstemperatur stieg seit Messbeginn im Jahr 1864 um zwei Grad an. Hitzewellen treten 200 Prozent häufiger auf als noch zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts und die Anzahl Schneetage hat sich seit 1970 halbiert.

Das Klima hat sich in der Schweiz bereits deutlich verändert. (Quelle: CH2018/Broschüre Klimaschutz und Klimawandel).

Klimaszenarien – Das künftige Klima im Baselbiet
MeteoSchweiz und die ETH Zürich publizierten 2018 eine aktualisierte Version der Klimaszenarien für die Schweiz. Sie zeigt auf, welche Entwicklungen in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich zu erwarten sind. Ohne rasche Umsetzung von Massnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen wird sich das Klima weiter verändern. Und dies mit meist negativen Folgen. Ohne Klimaschutzmassnahmen wird die Temperatur um zwei Grad und mehr ansteigen und es sind drastische Veränderungen mit langanhaltenden oder gar irreversiblen Schäden zu erwarten.

Ohne wirksamen und globalen Klimaschutz ist im Baselbiet bis im Jahr 2060 mit folgenden Klimaszenarien zu rechnen:

  • Weitere Zunahme von Hitzetagen, Tropennächten (Nächte über 20 Grad) und Tageshöchsttemperaturen.
  • Die Sommer werden trockener, in den übrigen Jahreszeiten fällt mehr Regen.
  • Die Anzahl Neuschneetage und Eistage (ganztags unter null Grad) verringert sich.

Diese Auswirkungen betreffen vor allem die Wasserwirtschaft, also die wichtigste Ressource des Kantons: Trockene Sommer führen zu Engpässen im Wasserangebot und dessen Nutzbarkeit. Die Rheinschifffahrt, die Landwirtschaft und die Waldwirtschaft müssen sich anpassen.

Der Hafen in Birsfelden: Bei Niedrigwasser können Schiffe hier nicht mehr vollbeladen anlegen. (Quelle: Port of Switzerland)

Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel
Der Statusbericht umfasst insgesamt 63 Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, davon 36 bestehende und 27 neue. Zahlreiche Massnahmen werden bereits heute umgesetzt, weil der Klimawandel in vielen Bereichen nicht grundsätzlich neue Herausforderungen schafft, sondern bestehende Risiken verändert und dabei oft verschärft.

Um den Veränderungen gerecht zu werden, sollen die Wasserverfügbarkeit verbessert und das Wasserdargebot erhöht werden. Auch müssen der Wald und die Landwirtschaft auf den Klimawandel vorbereitet werden. Zudem sind vier fachübergreifende Massnahmen angedacht:

  • Erarbeitung eines kantonalen Hitzeplans, der Massnahmen für akute Hitzewellen enthält;
  • Aufbau eines Kompetenzzentrums für Humusaufbau;
  • Prüfung von Rückhalteräumen und Abflusskorridoren für Regenwasser;
  • Planungsempfehlungen für Gemeinden zum Umgang mit Hitze im Siedlungsraum.

Im Bereich Koordination, Monitoring und Kommunikation sind zudem zwei Massnahmen vorgesehen. Diese Massnahmen beinhalten die Koordination und Begleitung der Massnahmen sowie den Aufbau eines Wirkungsmonitorings.

Klimaschutz - Aktiv Ursachen angehen
Das Ausmass des Klimawandels hängt vor allem davon ab, wie viel Treibhausgase heute und in den nächsten Jahrzehnten ausgestossen werden. Der Kanton Basel-Landschaft hat bereits einige Massnahmen zur Verminderung der Emissionen ergriffen, die bei unterschiedlichen Verursachern ansetzen. Trotzdem muss sich noch einiges bewegen – sei es global, national, kantonal oder auch in Bezug auf das persönliche Verhalten jedes Einzelnen.

Der grösste Handlungsspielraum des Kantons liegt im Sektor Energie für Gebäude, da dort die Bestimmungen hauptsächlich durch den Kanton definiert werden. Viele kantonale Massnahmen zielen deshalb auf energieeffiziente Gebäude und einen Umstieg auf erneuerbare Heiz- und Warmwassersysteme ab.

Eine gute Gebäudedämmung hilft, Heizenergie zu sparen und so Treibhausgase zu reduzieren (Quelle: LHA)

Auch der Verkehr trägt wesentlich zu den Gesamtemissionen des Kantons bei. Das Einsparpotenzial ist hoch. Der Bund hat hier die grössten Einflussmöglichkeiten. Mit einer guten Abstimmung von Siedlung und Verkehr, einer Verlagerung auf umweltfreundliche Verkehrsmittel und der technischen Weiterentwicklung der Elektrofahrzeuge kann der Kanton aber einen unterstützenden Beitrag leisten. Nicht zu vernachlässigen sind zudem die Emissionen aus der Abfall- und Abwasserbehandlung sowie aus der Landwirtschaft. Auch wenn der Emissionsanteil im Abfallbereich gering ist, kann der Kanton aufgrund seines Handlungsspielraums hier geeignete Massnahmen umsetzen. Die Landwirtschaft ist dagegen stark durch die nationale Politik geregelt.

Die Herausforderungen für die kommenden Jahre sind gross und können durch den Kanton in enger Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche sowie in Abhängigkeit mit den nationalen (und sogar internationalen) Entwicklungen angegangen werden. Wichtige Schritte sind dabei die fachübergreifende Erarbeitung von Strategien und Massnahmen mit Prioritätensetzung sowie die Einnahme einer Vorbildfunktion durch den Kanton als Signalwirkung.