Amt für Raumplanung | 22. April 2020

Salina Raurica: Chronologie der grössten Gebietsplanung des Kantons Basel-Landschaft

Miriam Baumeister, Isabel Koellreuter

Das Areal des heutigen Planungsgebietes Salina Raurica hat eine lange und reiche Geschichte, die schon weit vor der Industrialisierung einsetzt. Sie ist jahrhundertelang geprägt von bedeutenden römischen Verkehrswegen und traditioneller landwirtschaftlicher Nutzung. Mit der Entdeckung der Salzvorkommen in Pratteln begann für das Gebiet Anfang des 19. Jahrhunderts die Moderne und die Entwicklung zum Industriestandort mit Rheinsalinen und chemischer Industrie. Der Startschuss für das Planungsvorhaben «Salina Raurica» war eine Referendumsabstimmung. 1993 lehnte eine Mehrheit des Baselbieter Stimmvolks den Bau einer Kehrichtverbrennungsanlage für den Baselbieter Hausabfall auf dem Gebiet von Salina Raurica ab. Bis heute ist das Vorhaben geprägt vom Spagat zwischen raumplanerischer Vision und konkreter Umsetzung. Zur Geschichte dieser Planung ist jüngst ein reich illustrierter Bericht erschienen. Daraus stammen Text und Bilder dieses Artikels. 
(Martin Kolb, Kantonsplaner)

Planungsgebiet zwischen Augst im Osten, Schweizerhalle im Westen, dem Rhein im Norden und der Autobahn im Süden.

Kehrichtverbrennung 
Rund 500 Millionen Franken sollte die Abfallanlage im Gebiet Zurlinden in Pratteln kosten und den Abfall des gesamten Kantons Basel-Landschaft verarbeiten. Mit grosser Mehrheit stimmte der Landrat dem Vorprojekt im September 1992 zu. In der Referendumsabstimmung, ein Jahr später, wurde das Projekt jedoch überraschend abgelehnt und die Planung gestoppt. 

Einzigartiges kantonales Planungsprojekt  
Acht Jahre nach der Abstimmung, im Sommer 2001, präsentierte die Baselbieter Regierung unter dem Titel «Salina Raurica» eine städtebauliche Vision. Dies für die gesamte Fläche zwischen Rhein und Autobahn, die nicht nur die Zurlinde, sondern auch Gebiete in Augst umfasst. Damit wurde der Startschuss zu einem einzigartigen kantonalen Planungsprojekt gegeben, welches auch 20 Jahre später noch nicht abgeschlossen ist. «Salina Raurica» ist sowohl die Bezeichnung des Areals als auch der Name dieser grössten Arealentwicklung im Kanton Basel-Landschaft mit einer Gesamtfläche von rund 90 Hektaren. Das Gebiet soll nach Vorgaben mindestens 2'500 neue Bewohnerinnen und Bewohner beherbergen können und Arbeitsplätze für ebenso viele bieten.  

Zukunft des östlichen Teils der Salina Raurica
Blick von Augst Richtung Pratteln: Siegesprojekt städtebaulicher Studienauftrag (c Hosoya Schäfer 2019).

Verkehr 
Für die künftigen zusätzlichen Bewohnerinnen und Bewohner im Gebiet braucht es eine entsprechend gute Verkehrsinfrastruktur. Die Autobahn ist bereits vorhanden, nun soll auch der öffentliche Verkehr weiter ausgebaut werden.  

Nachdem schon im Jahr 2008 der Bahnhof «Salina Raurica» auf der Strecke Basel – Rheinfelden eröffnet wurde, soll nun auch der Tramverkehr im Gebiet ausgebaut werden. Der nächste Schritt ist die Verlängerung der Tramlinie 14 vom Bahnhof Pratteln über die Autobahn quer durch das ganze Planungsgebiet bis an die Grenze von Augst.  

Die heutige Kantonsstrasse, die dem Rhein entlang von Pratteln nach Augst führt, wird gegenwärtig an den südlichen Rand des Gebiets parallel zur Autobahn verlegt. Heute trennt die Kantonsstrasse das Gebiet vom Rhein und verunmöglicht den Bau von neuen Wohnungen auf Augster Boden. Der neue Stadtteil auf Pratteler Boden soll zudem das peripher gelegene Quartier Längi mit dem Zentrum von Pratteln besser verbinden.  

Siedlung Längi in Pratteln um 1970 (Quelle: Swen Keller).

Prozess 
Grosse zusammenhängende Grünflächen werden künftig das Rheinufer mit der Salina Raurica verbinden und mit dem zentral gelegenen Längi-Park attraktiven Aussenraum schaffen. Diese Prämissen für die Entwicklung von Salina Raurica überzeugten den Landrat. Er bewilligte am 15. Januar 2009 insgesamt über 21 Millionen Franken für die Gebietsentwicklung. 

Auf dem Weg zum neuen Stadtteil zwischen Augst und Pratteln stehen zuerst zahlreiche Umzonungen und Baulandumlegungen an, das Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung muss verlegt werden und vor allem müssen die betroffenen Grundeigentümer sowie Politikerinnen auf kommunaler und kantonaler Ebene vom Projekt überzeugt werden: So dauert der Prozess von der Genehmigung des Spezialrichtplans bis zur Entwicklung baureifer Zonen rund zehn Jahre.  

Als im Herbst 2017 die neue Produktions- und Distributionsanlage von Coop-Halba an der Salinenstrasse eröffnet wird, ist ein erstes markantes Ergebnis der langen Planungen erstmals sichtbar.