Deponie Elbisgraben: Schwachgasbehandlung schützt Klima

Sven Bittscheidt, Amt für Industrielle Betriebe

Bis vor wenigen Jahren wurde Methan mit einer direkten Leitung in die Fernwärmezentrale in Liestal geführt, wo es thermisch genutzt und danach verbrannt wurde. Der Methanteil in der Absaugluft ist allerdings mittlerweile so tief, dass auch eine Verbrennung nicht mehr möglich ist. Dies führte dazu, dass diese Abluft unbehandelt in die Umgebung abgegeben werden musste. Dadurch gelangten erhebliche Frachten des klimaschädlichen Gases in die Atmosphäre. Methan ist ein 25-mal stärkeres Treibhausgas als CO2. Seit einiger Zeit steht nun ein Verbrennungsverfahren zur Verfügung, mit dem sogenannte Schwachgase mit einem Methangehalt bis 0,3 Prozent verbrannt werden können.

Bis ins Jahr 2000 durften organische, also brennbare Abfälle auf der Deponie eingelagert werden. Durch anaerobe (sauerstofffreie) biologische Abbauprozesse entsteht im Deponiekörper Methan, das über ein Leitungssystem aktiv abgesaugt wird.

Bis Oktober 2015 konnte das anfallende Deponiegas dank des damals noch hohen Methangehaltes im Fernheizkraftwerk Liestal thermisch verwertet werden. Danach wurde das Gas mit der deponieeigenen Fackel verbrannt. Zwischenzeitlich sank der für die Verbrennung mit der Fackel notwendige Methangehalt so weit ab, dass das Gas ab 2017 über eine Abluftreinigung mit Holzschnitzel in die Atmosphäre abgelassen werden musste. Die Wirkung dieser sogenannten Biomiete ist allerdings beschränkt, was zu unerwünschten Belastungen der Atmosphäre durch Methan führte.

Die Firma BMF Haase GmbH bietet seit einiger Zeit ein Verbrennungsverfahren an, mit dem Schwachgase mit einem Methangehalt bis 0,3 Prozent verbrannt werden können. Dieses Verfahren hat sich mittlerweile auf mehreren Deponien unter anderem in Deutschland erfolgreich durchgesetzt und ist heute Stand der Technik. Bei diesem komplexen Verfahren wird das Deponiegas in einem Reaktorbett aus Keramik-Pellets flammenlos verbrannt. Die Anlage wurde am ehemaligen Standort der Gas-Fackel installiert. Es waren dafür nur wenige bauliche Anpassungen notwendig. Die Anlage wird über eine autonome Steuerung betrieben.

Links: Container Verdichterstation mit Steuerung, rechts: Reaktor mit Kamin. (Quelle: AIB)

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Planern und Betreibern sowie den internen Fachstellen der Bau- und Umweltschutzdirektion, konnte das Projekt rasch umgesetzt werden. Die formellen Abklärungen starteten im Frühjahr 2020. Parallel dazu wurden die notwendigen Voraussetzungen dieser Verbrennung für Fördergelder der Stiftung Klimaschutz und CO2-Kompensation (KliK) abgeklärt. Mit der Zusage seitens KliK im Juni 2020 erfolgte der Startschuss für die Realisierung. Die Investitions- und Betriebskosten werden mit Hilfe der Fördergelder über die nächsten zehn Jahre gedeckt.

Ende 2020 wurde die neue Anlage montiert und bereits Mitte Januar dieses Jahres in Betrieb genommen. Ende März 2021 wurde das Projekt abgeschlossen. In den nächsten zehn Jahren kann somit der Ausstoss von umgerechnet rund 11'000 Tonnen CO2 in die Atmosphäre vermieden werden. Dies entspricht der durchschnittlichen CO2-Emission von rund 2’500 Einwohnerinnen und Einwohnern in der Schweiz pro Jahr. Dies ist die erste und hoffentlich nicht die letzte Anlage dieser Art auf einer Schweizer Deponie.